
Griechenland leidet nicht an „einzelnen Skandalen“. Es lebt in einem dauerhaften System, in dem Korruption, Parteimacht und staatliche Strukturen fest miteinander verbunden sind. Diese Seite verfolgt dieses System über vier Jahrzehnte hinweg anhand von sechs emblematischen Fällen als Meilensteine: den Koskotas-Skandal der 1980er Jahre, das Siemens-Schmiergeldnetzwerk, die Lagarde-Liste des geschützten Steuerbetrugs, die Novartis-Pharmaaffäre, den OPEKEPE-Betrug bei Agrarsubventionen und schließlich die tieferliegenden strukturellen Probleme der Regierungsführung, die all dies ermöglichen.
Jeder Skandal wird mit drei einfachen Fragen vorgestellt: Wie funktionierte das System? Wer hat wirklich den Preis bezahlt? Was hat sich danach geändert – wenn überhaupt? Hinter den unterschiedlichen Namen und Sektoren tauchen immer wieder dieselben Muster auf: Parteien, die den Staat als Privatbesitz behandeln, eine öffentliche Verwaltung, die auf Klientelismus beruht, eine schwache und politisierte Justiz sowie Medien, die oft die Mächtigen statt der Öffentlichkeit schützen.
Das Ziel dieses Projekts ist nicht nur die Dokumentation vergangener Skandale, sondern auch aufzuzeigen, warum Korruption in Griechenland wahrscheinlich weiterbestehen wird und warum die politische und wirtschaftliche Elite des Landes weitgehend immun geblieben ist. Korruption hier ist keine „Krankheit“, die einen gesunden Körper angreift; sie ist Teil des Betriebssystems der Regierungsführung. Solange sich diese zugrunde liegenden Regeln nicht ändern, ist die Zeitleiste, die Sie gleich erkunden werden, kein Museum der Vergangenheit, sondern eine Vorschau auf die Zukunft
Griechische Korruptionsskandale. Fallauswahl:
- Koskotas-Skandal (1988–1989) – Politisch-finanzieller Skandal um die Bank von Kreta, der 1988–1989 seinen Höhepunkt erreichte.
- Tsochatzopoulos-Rüstungsbeschaffungs-Skandal (U-Boote, TOR-M1) – Verteidigungsverträge, die etwa zwischen 1997 und 2001 abgeschlossen wurden; der Korruptionsfall wurde ab 2006 untersucht und ab 2011 strafrechtlich verfolgt.
- Siemens-Skandal in Griechenland – Bestechung im Zusammenhang mit Telekommunikations- und anderen Verträgen, hauptsächlich zwischen 1990 und 2004, mit formellen Ermittlungen ab 2006.
- Lagarde-Liste – Liste griechischer Einleger, die 2010 nach Griechenland geschickt wurde, aber politisch und juristisch ab 2012 genutzt wurde, als sie bekannt wurde.
- Novartis-Skandal in Griechenland – Untersuchung illegaler Praktiken bei Preisgestaltung und Förderung von Medikamenten, begonnen mit Whistleblower-Vorwürfen im Jahr 2016; Akten wurden 2018 an das Parlament weitergeleitet.
- OPEKEPE-Skandal (EU-Agrarsubventionen) – Unregelmäßige Subventionen und fiktive Ansprüche, aufgedeckt durch Prüfungen ab ca. 2020, mit größeren Enthüllungen und EU-Prüfungen in den Jahren 2024–2025.
- Tempi-Eisenbahnunglück und Korruptionsskandal (2023–2026) – Griechischlands tödlichster Eisenbahnunfall am 28. Februar 2023 (57 Tote) nach jahrzehntelangem Versäumnis, Sicherheitssysteme zu installieren, mit mindestens 18,3 Mio. € veruntreuten EU- und Staatsmitteln für die Eisenbahn; Strafverfolgungen werden durch ministerielle Immunität erschwert.
Hinweis: Diese Zusammenstellung ist nicht vollständig. Zahlreiche weitere bedeutende Korruptionsfälle existieren in der Geschichte griechischer Institutionen. Die hier präsentierten Skandale spiegeln die Auswahl des Autors wider, der dokumentierte Fälle mit erheblicher öffentlicher Wirkung und institutionellen Folgen priorisiert. Weitere bemerkenswerte Fälle erfordern eine separate detaillierte Analyse.
Entdecken Sie die Details der griechischen Korruption durch diese ausführlichen Artikel, die jeweils einen eigenen Skandal beleuchten.
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